Hier ist eine detaillierte Analyse der AfD anhand der 14 Merkmale des „Ur-Faschismus“ nach Umberto Eco. Ich gehe auf jeden Punkt ein und beziehe mich auf öffentlich dokumentierte Positionen, Aussagen und Programme der AfD (Stand: Juli
Eco: Ablehnung von Fortschritt, Wahrheit ist „ein für alle Mal verlautbart“, Synkretismus (Vermischung von Lehren) wird abgelehnt. AfD: Die AfD betont regelmäßig die Bewahrung „deutscher Leitkultur“ und christlich-abendländischer Werte. In ihrem Grundsatzprogramm (2022) wird die „Bewahrung der deutschen Identität“ als zentrales Ziel genannt, wobei Migration und Islam als Bedrohung für diese Tradition dargestellt werden. Fazit: Erfüllt – Die AfD vertritt einen ausgeprägten Traditionenkult, der auf der Ablehnung von kultureller Vielfalt und der Betonung einer „reinen“ deutschen Identität basiert.
Eco: Ablehnung der Aufklärung, der Werte von 1789 (Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit) und der Moderne, trotz selektiver Technikverehrung. AfD: Die AfD lehnt viele moderne gesellschaftliche Entwicklungen ab, z. B. Gender-Mainstreaming, „woke“ Bewegungen oder Klimaschutzmaßnahmen, die sie als „ideologisch“ brandmarkt. Gleichzeitig nutzt sie moderne Medien (soziale Netzwerke) intensiv für ihre Propaganda. Fazit: Erfüllt – Selektive Ablehnung der Moderne bei gleichzeitiger instrumenteller Nutzung ihrer Werkzeuge.
Eco: Misstrauen gegenüber Intellekt und kritischer Kultur, „Denken als Form der Kastration“. AfD: Die AfD zeigt eine Skepsis gegenüber Wissenschaft und Expertise, z. B. in der Klimafrage (Leugnung des menschengemachten Klimawandels durch Teile der Partei) oder in der Corona-Pandemie (Ablehnung von Lockdowns und Impfungen). Kritische Medien werden als „Lügenpresse“ diffamiert. Fazit: Erfüllt – Ablehnung von Wissenschaft und Intellekt, wenn sie der eigenen Agenda widersprechen.
Eco: Wissenschaftliche Kritik wird als Verrat dargestellt. AfD: Die AfD lehnt klimawissenschaftliche Konsense ab und diffamiert kritische Journalisten oder Wissenschaftler als „Systemlinge“ oder „Gutmenschen“. Fazit: Erfüllt – Systematische Ablehnung von Kritik, die der eigenen Ideologie widerspricht.
Eco: Angst vor Unterschieden wird geschürt, Pluralismus als Bedrohung dargestellt. AfD: Die AfD fordert eine „Remigration“ von Migranten und lehnt multikulturelle Gesellschaften ab. In internen Dokumenten (z. B. „Flügel“-Papiere) wird eine „ethnisch homogene“ Gesellschaft angestrebt. Fazit: Erfüllt – Ablehnung von Pluralismus, Forderung nach kultureller Homogenität.
Eco: Faschismus entsteht aus sozialer Frustration, besonders in Krisenzeiten. AfD: Die AfD spricht gezielt Wähler an, die sich von der politischen Elite verraten fühlen, z. B. durch Globalisierung, Migration oder wirtschaftliche Unsicherheit. Ihr Erfolg in Ostdeutschland korreliert mit regionalen Abwanderungs- und Deindustrialisierungsprozessen. Fazit: Erfüllt – Die AfD nutzt soziale Ängste und Frustrationen als Mobilisierungsgrundlage.
Eco: Nationalismus basiert auf Herkunft, Fremde werden als Bedrohung dargestellt. AfD: Die AfD vertritt einen völkischen Nationalismus, der sich auf „Blut und Boden“ bezieht. Björn Höcke (ehemaliger „Flügel“-Vorsitzender) sprach von einer „ethnisch definierten Nation“. Die Partei fordert eine strikte Begrenzung von Migration und betont die „deutsche Leitkultur“. Fazit: Erfüllt – Ethnonationalistische Rhetorik ist zentral für die AfD.
Eco: Feinde werden als gleichzeitig zu stark und zu schwach dargestellt (z. B. „Juden kontrollieren die Welt, sind aber auch schwach“). AfD: Die AfD bedient Verschwörungsmythen, z. B. die „Große Austausch“-Theorie (Umvolkung), wonach Eliten die deutsche Bevölkerung gezielt durch Migranten ersetzen. Gleichzeitig werden Geflüchtete als „Invasoren“ dargestellt, die den Sozialstaat ausnutzen. Fazit: Erfüllt – Nutzung von Verschwörungsnarrativen und Feindbildern.
Eco: Pazifismus wird als Kollaboration mit dem Feind abgelehnt, Kampf als Lebenszweck glorifiziert. AfD: Die AfD glorifiziert den „Kampf gegen das System“ und nutzt martialische Rhetorik (z. B. Höckes Rede zur „Wende“ in der Migrationspolitik). Pazifistische Positionen werden als naiv oder verräterisch dargestellt. Fazit: Teilweise erfüllt – Kampfesrhetorik ist präsent, aber nicht durchgängig militaristisch.
Eco: Gefühl, einer „Massenelite“ anzugehören, Verachtung für die Schwachen. AfD: Die AfD inszeniert sich als „einzige wahre Opposition“ und verachtet politische Gegner als „Systemparteien“ oder „Eliten“. Gleichzeitig wird eine „natürliche Hierarchie“ zwischen „Deutschen“ und „Fremden“ betont. Fazit: Erfüllt – Elitedenken und Abwertung von Gegnern sind zentral.
Eco: Heldentum wird zur Norm, Tod im Kampf als höchste Belohnung. AfD: Die AfD verherrlicht historische Figuren wie Friedrich den Großen oder die Wehrmacht (z. B. durch Höckes Aussagen zur „erinnerungspolitischen Wende“). Ein expliziter Todeskult ist jedoch nicht nachweisbar. Fazit: Teilweise erfüllt – Heldentum wird betont, aber kein direkter Todeskult.
Eco: Frauenverachtung, patriarchale Familienbilder, Intoleranz gegenüber nicht-normativer Sexualität. AfD: Die AfD vertritt konservative Familienbilder und lehnt feministische Forderungen ab. Homosexualität wird in Teilen der Partei als „unnatürlich“ bezeichnet (z. B. durch Aussagen von Alice Weidel oder Björn Höcke). Fazit: Erfüllt – Traditionelle Rollenbilder und Ablehnung von LGBTQ+-Rechten.
Eco: Der „Volkskörper“ wird gegen das „verrottete Parlament“ gestellt. AfD: Die AfD inszeniert sich als „Stimme des Volkes“ gegen die „korrupte Elite“ in Berlin. Direkte Demokratie wird gefordert, während gleichzeitig parlamentarische Prozesse als undemokratisch diffamiert werden. Fazit: Erfüllt – Populistische Rhetorik gegen Institutionen ist zentral für die AfD.
Eco: Verarmtes Vokabular, Framing, Deutungshoheit (z. B. „Lügenpresse“, „Umvolkung“). AfD: Die AfD nutzt gezielt Begriffe wie „Lügenpresse“, „Systemmedien“, „Remigration“ oder „Asyltourismus“, um Deutungshoheit zu erlangen. Fazit: Erfüllt – Systematische Nutzung von propagandistischen Sprachmustern.
Gesamtfazit: Die AfD erfüllt 12 der 14 Merkmale vollständig und 2 teilweise. Besonders ausgeprägt sind Traditionenkult, Ablehnung der Moderne, Irrationalismus, Ethnonationalismus, Verschwörungsdenken, Populismus und Neusprache. Die Merkmale Kampfesrhetorik und Heldentum/Todeskult sind weniger stark ausgeprägt, aber vorhanden.
Umberto Eco betonte, dass nicht alle Merkmale gleichzeitig erfüllt sein müssen, um faschistoide Tendenzen zu erkennen. Schon das Vorhandensein mehrerer Merkmale in Kombination kann auf eine faschistische Dynamik hindeuten. Die AfD zeigt hier eine klare Tendenz in Richtung Ur-Faschismus, auch wenn sie sich nicht als klassisch-faschistische Partei bezeichnet.
Quellen und Vertiefung:
Frage an Dich: Wie bewertest Du diese Analyse? Gibt es Punkte, die Du anders siehst oder ergänzen möchtest?
Vibe can make mistakes. Check answers. Learn more